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RTL Nachtjournal

Das Nachtjournal war zentraler Bestandteil einer großen 'Informationsoffensive' von RTL-Chef Helmut Thoma. Vorbild war vermutlich die Sendung 'Nightline' des amerikanischen Networks ABC. RTL bot als erster deutscher Sender zu so später Stunde noch so umfassende Nachrichten an - und hatte damit Erfolg. Alle anderen zogen später nach (heute nacht, Nachtmagazin, Die Nacht), erreichten aber nicht die Zuschauerzahlen von RTL. Anders als ARD und ZDF, deren Nachtmagazine boulevardesker waren als die Hauptausgaben, setzte RTL gerade nachts auf Themen aus Politik und Wirtschaft, präsentierte sie aber häufig in parteiischer, populistischer oder polemischer Form. Die 'FAZ' urteilte: 'Wer Hintergrundberichte und Moderationen schätzt, die wenig Fakten und viel Emotion transportieren, stets ein und dieselbe politische Präferenz erkennen lassen, sich nicht an haufenweise verpatzten Interviews stört und auch Gefallen an der klassischen Betroffenheitsberichterstattung findet, ist hier genau richtig.' Moderator war genau zehn Jahre lang Heiner Bremer, der frühere Chefredakteur des 'Stern', der mit vielen verstammelten Moderationen und häufig panischer Suche nach der richtigen Kamera regelmäßig Zielscheibe des Spotts etwa von Stefan Raab war, aber mit seiner Ungelenkigkeit und den weißen Haaren offenbar in den Augen der RTL-Zuschauer irgendwie für Seriosität bürgte. Seine Urlaubsvertretung war zunächst Anna Doubek, später meist Michael Karr. Anfang 2004 wurde Susanne Kronzucker neue Hauptmoderatorin, Christof Lang neuer Redaktionsleiter, der eine Woche im Monat selbst moderierte. Bremer hatte beide Posten innegehabt.